Siebte Etappe: Pfandler Alm - Kirchsteiger Alm

5 Sterne für die Lebensfreude

Heute erwartet uns die längste Etappe unserer Tour. Im Dunkeln geht es los, in der Mittagshitze auf den Berg und dann schier endlos zu einem See ... am Ende sind wir unglaublich stolz auf uns!

Nach einer kurzen und unruhigen Nacht (Schnarchkonzert gratis) klingelt der Wecker um 4.30 Uhr. Es ist stockdunkel draußen, und nach einer eiskalten Morgenwäsche marschieren wir los.

Der klägliche Versuch, den Weg mit dem Handy zu beleuchten, scheitert - und wir beschließen, uns auf die Morgendämmerung und unsere Augen zu verlassen. Das klappt auch erstaunlich gut! Beim Aufstieg sprechen wir anfangs kaum ein Wort. Die Dunkelheit im Wald und die Stille des Morgens lassen uns fast ehrfürchtig dahin gehen.
Als die ersten Sonnenstrahlen über die Bergwipfel kriechen und das Panorama rot färben, sind wir schon weit genug oben, um es auch genießen zu können :)

Der Plan ist nach ungefähr zwei Stunden die Mahdalm zu erreichen und dort unser Vesper zu frühstücken. Dann geht es weiter über die Hirzer Hütte und die Obere Scharte und dann hinunter zur Meraner Hütte, insgesamt ca. zehn Stunden Marsch.
Nach zwei Stunden sieht es nicht nach Alm aus … der Hunger schwingt langsam in Ärger um. Wir knabbern einen Müsliriegel zur Beruhigung. Der Weg ist aber wirklich toll! Ein Pfad an der Seite des Berges, verhältnismäßig eben, mit herrlicher Aussicht.

Endlich ist auch die Mahdalm in Sicht! Wir beschließen doch noch ein bisschen weiter zu gehen und überqueren eine idyllische Kuhweide mit Bergbach. Ein wolkenloser Himmel erstreckt sich über uns. Es folgt ein Frühstück mit Panorama - und dann geht es weiter.

Bis zur Hirzer Hütte ist es recht gemütlich, ein breiter Weg moderat auf und ab. Aber dann geht es über ein riesiges Geröllfeld steil hinauf. Ab und zu schauen uns Kühe neugierig an, hoch oben grast eine Herde Schafe (wir fragen uns immer noch, wie in aller Welt kamen die dort hoch?) ... und wir schnaufen den Berg hoch, langsam die Anstrengungen der letzten Tage spürend. Auf dem letzten Stück packen wir die Wanderstöcke weg und dürfen etwas „kraxeln“. So kommen die Lebensgeister zurück ...

Von der Oberen Scharte haben wir einen grandiosen Ausblick! Meran 2000 liegt vor uns. Leider ist es etwas diesig, so können wir die Dolomiten nur schleierhaft erkennen, aber doch die Gewissheit: Wir sind in Italien! Nun ja, eigentlich schon länger, aber jetzt so nah an den Dolomiten und die aufsteigende warme Luft spürend, fühlt es sich doch sehr viel realer an.

Wir beschließen den Hirzer nicht noch zusätzlich zu besteigen (das wäre etwa eine Stunde on top) und uns nach einer kleinen Vesperpause und der Gewissheit, dass dies heute der letzte Aufstieg war, an den Abstieg zu machen. Es geht über sehr kleinteiliges Geröll (meine Mutter nennt es liebevoll „Scheibchenberg“) wieder nach unten. Der Abstieg ist sehr angenehm, da es nicht zu rutschig ist und wir schon bald auf Gras laufen. Gefleckte Riesenschafe grasen gemütlich neben uns her ...

Nächster Halt: Kratzbergersee - zumindest in der Theorie. Nach jeder Kurve erwarten wir das ersehnte Zwischenziel. Doch jedes Mal werden wir, und unsere mittlerweile unzähligen Mitleidenden, enttäuscht. Und dann die ultimative psychische Herausforderung: Es geht nochmal bergauf! Puh. Oben gibt es erstmal noch einen Müsliriegel mit Schokolade. Und dann endlich erblicken wir ihn doch - und er sieht tatsächlich toll aus, so mitten im Hochgebirge, klar und blau. Vielleicht wirkt er aber auch nur so fantastisch, weil man es sich so gewünscht hat anzukommen!? Wir gönnen uns hier keine Pause. Man hat auch nicht wirklich Lust dazu, da hier doch viel los ist. Also marschieren wir sogleich den Schildern des „E5“ weiter nach.

Ab jetzt geht es in leichtem auf und ab noch ca. eine Stunde an der Bergseite entlang. Hier begegnen uns viele Tagesausflügler, da das Gebiet Meran 2000 voller Bergbahnen ist. Und dann endlich erblicken wir die Meraner Hütte! Ersehntes Ziel. Ultimative Erleichterung.

Noch ein kleiner Abstieg und dann … spontane Umplanung: Meine Mutter und ich haben heute Nacht keine Lust mehr auf Lager! Also sagen wir unsere Betten ab und quartieren uns in der nächstgelegenen Kirchsteiger Alm ein (für ein eigenes Zimmer mit eigener Dusche akzeptiert man gerne den höheren Preis).
Nach 9,5 Stunden Marsch fallen wir erschöpft, aber froh in unser Bett ... und lauschen noch dem Wildbach und dem Geräusch der Pferde beim Grasen.


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