Zweite Etappe: Madau - Zams

5 Sterne für die Lebensfreude

Dieser Tag wird happig. Denn der Abstieg, der am Ende des Tages auf uns wartet, wird als „legendär“ und „berüchtigt“ beschrieben.

Aber erst einmal geht es wieder früh morgens nach einem guten Frühstück los. Über eine Fahrstraße erreicht man die Lastenbahn zur Memminger Hütte (Nein, wir haben wirklich alle 8 Tage unser Gepäck selbst getragen!). Von dort geht es etwa 3 Stunden bergauf (man beachte das Gewicht auf dem Rücken). Immer am Wasser entlang und mit einer grandiosen Aussicht auf die Berge des vorherigen Tages.

Als wir die Memminger Hütte in ihrem beeindruckenden Talkessel erblicken, sind wir hin und weg! Wieder genehmigen wir uns ein verdientes, alkoholfreies Weizen. Weiter an den Seewiesen vorbei - unter herrlichen Bergen hinweg - geht es über Geröllfelder zur Seescharte hoch. Der Blick von dort: Mal wieder unbeschreiblich! Bei einer Pause betrachten wir das Lochbachtal. Von hier sehen die knapp 2000 m Abstieg fast harmlos aus.

Nochmal über Geröll geht es hinab - beim lieblichen Abschnitt über Wiese und Waldweg kommt man in die Versuchung zu denken, es wäre schon fast geschafft ... Die Trinkreserven werden am Bach aufgefüllt (auf der gesamten Alpenüberquerung kann man das Wasser aus den Bergbächen bedenkenlos trinken; nur bei Kuhweiden lieber nicht!) und dann geht es nochmal richtig los. Der Abstieg ist wirklich toll (wer den Hobbit kennt, wird nicht drum herum kommen, den "Einsamen Berg" vor sich zu vermuten…)! Auf einem Weg, der praktisch in die Felswand reingefräst wurde und es rechts senkrecht mehrere hundert Meter hinunter geht, muss man bis zur letzten Minute voll aufmerksam sein. Im Gebirge darf man niemals nachlässig werden, ein kleiner Fehltritt kann den Absturz bedeuten. Bleibt man jedoch mental aufmerksam, kann man es richtig genießen.

Schon seit der Seescharte beobachte ich den Himmel misstrauisch. Langsam zieht es gefährlich zu, die Frage ist, wie lange das Gewitter auf sich warten lässt. Wir begegnen noch ein paar anderen Wanderern, die erschöpft am Wegesrand sitzen und ihre Blasen verarzten. Und noch eine Kurve weiter… endlich können wir Zams entdecken!

Und genau als wir den Fuß ins Tal setzen, fängt es an zu regnen. Was für ein Glück! Am Ausstieg vom Wanderweg wartet in einer Würstelbude ein „guter Engel“, der sich um die erschöpften Wanderer kümmert, Unterkünfte vermittelt und Taxis ruft. Auch uns hilft er mit einem Taxi, und wir sind froh in unserer Pension herzlich empfangen zu werden. So erschöpft, dass wir uns nur jeweils eine Handvoll Nüsse zum Abendessen gönnen, fallen wir ins Bett. Was für ein Tag!

Arrtop3