Ausgekorkt ...

5 Sterne für die Lebensfreude

"Herzlich Willkommen Schraubverschluss" - verabschiedet Euch von dem alten Kork! Es wird endlich Zeit für einen grundlegenden Wechsel.

Viele Winzer meiden mittlerweile Naturkorken und greifen zu alternativen Flaschenverschlüssen, was viele Vorteile hat und Enttäuschungen erspart.

Denn: Welchen Wert hat die letzte Flasche, die man wegen Korkschmecker im Abfluss entsorgen muss?

Für Sie etwas zum Mitrechnen: Die Deutschen haben 2008 Wein und Schaumwein im wie ich finde beachtlichen Wert von ca.7 Milliarden Euro getrunken. Nach Schätzungen sind zwar nur mehr die Hälfte der Flaschen mit Naturkorken versehen, aber bei angenommenen 2% dieser Flaschen mit Korkschmecker wären es immer noch beachtliche 70 Millionen Euro, die im Ausguss entsorgt werden müssen.

Produziert, Bezahlt, Vernichtet - alles Risikoware - einfach nur ärgerlich!

Ursachen dieses Ärgernisses sind Chlorverbindungen wie TCA (Trichloranisol), die jeden mit der Substanz infizierten Wein definitiv ungenießbar machen. Qualitativ hochwertiger Kork an sich ist ein wunderbarer, wertvoller und teurer Rohstoff. Allerdings hat dieser - und das wissen wir längst - nichts mehr in der Flasche zu suchen. Untersuchungen mit Weinhändlern und Sommeliers zeigen, dass 4-12% der im Handel erhältlichen Weine mit den obengenannten Problemen behaftet sind. Die Korkindustrie spricht davon, daß die Probleme gelöst sind, was die Untersuchungen allerdings widerlegen.

Und nun ein Märchen vom "atmenden" Kork:

Die idyllische Schilderung, in der vor allem große Rotweine jahrelang im Keller durch den Korken "atmen" müssen, um ihre optimale Genussreife zu erhalten hat sich längst als Märchen entpuppt.

Ein einwandfreier Naturkorken atmet eben NICHT, er dichtet das Produkt - in diesem Fall sehr teure Weine zu 100% ab, sagt Monika Christmann, Professorin an der Forschungsanstalt Geisenheim klipp und klar. Also braucht der Wein für seinen Reifeprozess eben KEINEN Sauerstoff von Außen - im Gegenteil: Der Wein wäre in kurzer Zeit nicht mehr trinkbar, wäre der Verschluss luftdurchlässig.

Ich persönlich finde es sehr gut, dass sich immer mehr Winzer dazu entschließen, Alternativen zu suchen, zu finden und zu verwenden. Es gab bunte Spritzgussstopfen aus Industriesilikon, dann Kunststoffkorken, die ich bei weitem nicht für sehr gut halte. Allerdings haben diese Verschlussarten den Vorteil, keinen Umbau der vorhandenen Abfüllanlagen zu verlangen. Für andere Verschlüsse müssen die Abfüllanlagen umgerüstet bzw. bei der Verwendung von Glasverschlüssen muss noch zusätzlich in neue Flaschen wegen der anderen Flaschenhalsform investiert werden.

Aber es gibt sie: Mittlerweile mit verbesserten Designs - Stelvin Lux oder Long Cap, die inzwischen genauso gut sind. Leider werden Drehverschlüsse, die nach wie vor den Negativtouch für sogenannte Billigweine haben eben auch für preisgünstigere Weine verwendet, was aber nicht gleichzeitig unbedingt eine Qualitätsminderung bedeutet.
Eigentlich in dieser Form witzig, wie ich finde.

Wäre doch der Schaden wegen eines Korkschmeckers bei preisgüstigeren Produkten bei Weitem nicht so einschneidend, wie bei einem wirklich großen Roten, der im Preis doch erheblich höher angesiedelt ist und einen anderen persönlichen Wert haben kann. Dieser Verlust kann und wird von Niemandem ersetzt werden.

Aber auch die bisher einzige absolut luftdichte Alternative des "all-in-glas" Verschlusses des Erfinders Rudolf Gantenbrink ist vielversprechend. Der Hersteller gewährt den Winzern die Garantie, dass später genau die Qualität des Produkts, welches abgefüllt wurde auch in der Flasche ist. Allerdings hebt sich das mit Sicherheit überzeugende Produkt im Preis von den anderen ab: Der Glasverschluss ist leider deutlich teurer als alle anderen Alternativverschlüsse.

Insgesamt aber sind alle Alternativen zum Kork nicht mehr aufzuhalten und das ist gut so. Wie schon so oft haben die Winzer der neuen Weinwelt die Probleme als Erstes erkannt: Der renommierte australische Weinproduzent Penfolds hat in diesem Weinjahr erstmals einen Teil seines Kultweines "Grange", der im Handel nicht unter 200 Euro pro Flasche erhältlich ist mit Drehverschluss abgefüllt.

Am Ende wird der Markt entscheiden, wie lange sich das für den Wein risikoreiche Material Naturkork noch behaupten kann. Noch bestehen verschiedene Weinverbände und Konsortien wie "Chianti Classico", "Barolo" und "Brunello" auf Naturkork.

Ich meine, es wäre an der Zeit, dass sich führende Produzenten wie zum Beispiel aus Frankreich und Spanien mit den alternativen Verschlüssen auseinandersetzen und dem Beispiel vieler anderer Kollegen folgen würden in dieser schnelllebigen Zeit.

Ich meine, es wäre jedem Weinliebhaber eben in unserer Zeit zuzumuten, über einen Wechsel von Naturkork auf Alternativen umzustellen. Die Kork-Alpträume eines jeden Weinliebhabers wären Geschichte und ALLE würden davon profitieren!

Ich wünsche Ihnen als einer der vielen Weinliebhaber viel Freude beim Öffnen der nächsten Flasche - mit dem "richtigen" Verschluss...?

Ihr Erich Stadlhofer

Quelle: Vinum
Weinenzyklopädie 2002

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